„Blackout in Berlin“ – Ein Weckruf zur rechten Zeit?

Buchrezension: „Blackout in Berlin“ – Ein Weckruf zur rechten Zeit?

Berlin kommt nicht zur Ruhe. Nach dem massiven Stromausfall in Köpenick vor einigen Jahren und dem beängstigenden Brandanschlag im September dieses Jahres ist das Thema „Blackout“ präsenter denn je. Genau in diese Kerbe schlägt Norbert Domhöfers neuer Report „Blackout in Berlin“. Ich habe mir das Buch angesehen und verrate euch, ob es nur Panikmache ist oder ein echter Ratgeber für den Ernstfall.

Mehr als nur Theorie: Die 72-Stunden-Frist

Das Buch ist kein klassischer Katastrophenroman, auch wenn es sich stellenweise so spannend liest. Domhöfer wählt einen interessanten Hybrid-Ansatz: Er kombiniert harte Fakten zur Infrastruktur mit fiktiven Kurzgeschichten.

Der Kern des Buches dreht sich um die kritischen ersten drei Tage – die sogenannte 72-Stunden-Frist. Der Autor beschreibt minutiös, wie Dominoeffekte unsere moderne Stadt in die Knie zwingen: Wenn der Strom weg ist, folgt das Wasser, dann die Hygiene und schließlich die öffentliche Ordnung. Besonders eindringlich fand ich die Darstellung der Wasserproblematik in Berliner Hochhäusern, wo ohne elektrische Pumpen schon nach kurzer Zeit nichts mehr aus dem Hahn kommt.

Gesichter der Krise

Damit die technischen Details nicht zu trocken werden, webt das Buch Schicksale ein, die unter die Haut gehen. Da ist die Teenagerin Mia, die erst ihr Smartphone und dann ihre Naivität verliert. Oder der Polizist Jürgen, der zwischen seiner Pflicht auf der Wache und der Sorge um seine Familie zerrissen wird. Diese Geschichten machen die abstrakte Gefahr greifbar und zeigen: Ein Blackout ist vor allem eine psychologische Herausforderung.

Kritik am offiziellen Schutzkonzept

Der wohl brisanteste Teil des Buches ist die Analyse der staatlichen Vorsorge. Domhöfer geht hart mit dem Berliner Konzept der „Katastrophenschutz-Leuchttürme“ ins Gericht. Seine Rechnung ist simpel, aber erschreckend: Wenige Anlaufstellen für Millionen Menschen? Das kann mathematisch nicht funktionieren und provoziert im Ernstfall eher Chaos als Hilfe.

Stattdessen schlägt er das „Wahllokal-Prinzip“ vor: Dezentrale Info-Punkte in jedem Kiez, die jeder kennt und die fußläufig erreichbar sind. Ein Vorschlag, der so logisch klingt, dass man sich fragt, warum er nicht längst Standard ist.

Praxis, Praxis, Praxis

Was das Buch von reiner Angstliteratur abhebt, ist der umfangreiche Serviceteil. Domhöfer belässt es nicht bei der Warnung, er liefert Lösungen.

Besonders Technik-Fans kommen auf ihre Kosten: Ein großer Teil des Anhangs widmet sich der Notfallkommunikation per Funk (PMR446/Freenet). Inspiriert durch die fiktive „Funkgruppe Nord“ erklärt er detailliert, wie man sich im Kiez vernetzt, wenn Handys und Internet tot sind. Dazu gibt es angepasste Checklisten, die den empfohlenen Vorrat des BBK von 10 Tagen zugrunde legen.

Fazit: Keine Panik, aber bitte Vorsorge

„Blackout in Berlin“ ist eine nüchterne, faktenbasierte Bestandsaufnahme, die aufrütteln will, ohne Angst zu verbreiten. Der Autor macht klar: Der Staat kann im absoluten Ernstfall nicht jedem sofort helfen. Wir müssen uns (auch) selbst helfen.

Für wen ist das Buch?

  • Für alle Berliner (besonders Mieter in höheren Etagen).
  • Für alle, die ihren Notvorrat endlich mal ernsthaft anlegen wollen.
  • Für Leute, die verstehen wollen, warum ein Kurbelradio und ein Funkgerät wichtiger sein können als das neueste iPhone.

Das Buch ist auf Amazon erhältlich, wo man auch eine Leseprobe erhalten kann. Hier der Link zum Buch: Blackout in Berlin

Meine Wertung: ⭐⭐⭐⭐ (4/5 Sternen) – Ein wichtiger Ratgeber zur richtigen Zeit, der hoffentlich nie praktisch angewendet werden muss.


Habt ihr schon Vorkehrungen getroffen? Oder haltet ihr das Szenario für übertrieben? Schreibt es in die Kommentare!

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